Bei einem gewissen Versicherungsbroker dürften die Telefonleitungen in Bälde heiss laufen. Und manch ein unbescholtener Bürger dürfte seine 3. Säule bei jenem Berater aufgleisen wollen, der wohl in besagtem Unternehmen die stylisten Anzüge trägt.

Ob der Sportplatz Widenbad ebendieser Firma schon lange als Nährboden für potenzielle Kunden dient, ist nicht überliefert. Aber an diesem Dienstagabend lieferte besagter Berater – nebenberuflich einer der Hauptverantwortlichen für Offensivspektakel in Männedorfs Fanionteam – überzeugende Argumente, ihm in Sachen Finanzen und Altersvorsorge zu vertrauen.

Er war wieder einmal spielentscheidend. Der nicht allzu gross gewachsene, quirlige, technisch hochversierte Mann mit den schnellen Beinen und dem fast schon korsett-mässig enganliegenden Trikot. Dem Meisterschaftsspiel der Widenbad-Elf gegen den FC Witikon drückte Daniel Di Bella den Stempel auf.

Hohes Tempo auf beiden Seiten

Es war dies ein Spiel, das von Beginn weg von hohem Tempo geprägt war. Die beiden Teams lieferten sich ein Kräftemessen auf Augenhöhe. Trotz einiger guter Torszenen ging es – für den einen oder anderen geneigten Betrachter wohl leicht verwunderlich – torlos zum Pausentee respektive zu Birra e Salsiccia. Dieses Zwischenresultat hatten die Männedörfler wieder einmal ihrem bärenstarken Rückhalt zu verdanken. Rückkehrer René Lobnik schaffte es wieder einmal, diverse brenzlige Situationen zu klären und behielt gerade in seiner Paradedisziplin – den Eins-gegen-Eins-Situationen – die Oberhand oder den Oberhandschuh ganz wie man will.

Dass der unterhaltungsorientierte Männedörfler Fan in der wie immer gut besuchten Seekurve ohne schön herausgespielte Treffer und mit Aggressivität geführten Zweikämpfen nicht zufrieden ist, weiss die erste Mannschaft natürlich schon lange.

Nichtsdestrotrotz hatte wohl manch ein Supporter den Eindruck, dass der FCM im zweiten Durchgang noch eine Schippe drauflegen konnte. Dies dürfte nicht zuletzt auch das Verdienst vom mannschaftsinternen Anpeitscher und Motivationscoach Yaniv Edri sein. Dieser hatte seine Teamkameraden mit einer Ansprache, von der sich manch ein Redner in Sachen Rhetorik eine Scheibe abschneiden kann, auf diese Partie eingeschworen. Das war psychologische Kriegsführung in Reinnatur.

Dazu kam, dass sich der Trainerstaff um Cheftrainer Moreno Nesta mit einem wahren Luxusproblem konfrontiert sah. So konnte er es sich erlauben, begnadete Fussballer wie einen Subisan Suthesan, Nico Bochicchio oder Pietro Serra nicht von Anfang an laufen zu lassen. Gäbe es von der ersten Mannschaft endlich ein Paninialbum, diese drei würden wohl zu den begehrtesten Sujets auf der Tauschbörse auf den Pausenplätzen der Schulhäuser Blatten und Hasenacker zählen.

Immer wieder schalteten die Männedörfler blitzschnell von der Defensive in die Offensive. Ab und dann stellten diese schnellen Zuspiele in die Tiefe auch das unparteiische Trio vor Schwierigkeiten. Gleich zweimal wurde ein Männedörfler aus bester Abschlussposition zurückgepfiffen. Dabei war die Meinung auf den Zuschauerrängen schnell gemacht. „Niemals Offside“, quittierte die Kurve. Der Schiedsrichter fand für diese Proteste aber kein Gehör.

Die Bananenflanke und der Gähler-Gau

Fast schon schädlich für das Gehör, war dann der ohrenbetäubende Jubel. Daniel Di Bella trat einen Freistoss von links aussen wie man es den Junioren immer wieder predigt – scharf gezogen und mit der Kurve einer Banane auf den zweiten Pfosten. Dort segelte der Ball – beabsichtigt oder nicht – an allen Köpfen vorbei ins lange Eck.

Mitten in die kollektive Freude setzte es für die Platzherren einen argen Dämpfer. Abseits der feiernden Männedörfler zeigte der Schiedsrichter Sandro Gähler die rote Karte. Was genau geschehen war, konnte vor Ort nicht exakt rekonstruiert werden. Mutmasslich soll der Männedörfler Offensivakteur von einem Witiker einen Schlag in die Magengrube erhalten und daraufhin – getrieben von den Emotionen – einige nicht zitierfähige Kraftausdrücke an seine Gegner adressiert haben.

Der Frust beim jungen Spieler war gross. Und wer selbst schon einmal in einer turbulenten Partie auf dem Platz stand weiss, dass einem in solchen Momenten auch einmal die Sicherungen durchbrennen können, wie dies auch schon frühere Weltfussballer in WM-Finals bewiesen haben.

Allerdings dürfte dieser Gähler-Gau auch neben dem Platz noch ein Nachspiel haben. Abgesehen von der Busse, die ihm aufgebrummt werden dürfte, wird der Jungspund kaum darum herum kommen, für eine berühmte Männedörfler Malerei, die auch langjähriger FCM-Sponsor ist, die eine oder andere Hausfassade in Gratisarbeit zu streichen. Gähler junior dürfte es verschmerzen und vielleicht finanziert der bereits erwähnte Versicherungsbroker ihm sogar einen Teil seiner Busse.

Trotz Unterzahl drosselten die Männedörfler das Tempo nur gering. Und wenn sie mal unter Druck kamen, wusste die solide Defensive damit umzugehen. Im Zentrum verteilte die Doppio sei Serra/del Gaudio munter die Bälle auf die Aussenbahnen. Just in einer leichten Druckphase der Stadtzürcher, obwohl Witikon aus Sicht eines Zürcher Innenstädters eher ein ländlicher Vorort ist, der nicht wirklich zu dieser Metropole gehört, schaltete Gelb-Schwarz einen Konter. Allzweckwaffe Michi Signer schickte den pfeilschnellen Di Bella, dessen Beine sich mit der Kadenz einer Bernina-Nähmaschine dem gegnerischen Sechzehner näherten. Dort schlenzte die Nummer zehn das Leder gekonnt am Torhüter vorbei ins rechte untere Eck – die Vorentscheidung. Der erste Heimsieg dieser Saison war damit zum Greifen nah.

Die Witiker, bei denen mit Ex-Profi David Blumer der prominenteste Name nicht auf dem Matchblatt stand, steckten jedoch nicht auf und warfen noch einmal alles nach vorne. Allerdings kamen die Gäste kaum mehr zu wirklich zählbaren Torchance. Einen schnellen Vorstoss über die linke Seite konnte der eingewechselte Mirco Bochicchio unterbinden. In feinster Gattuso-Manier trennte er mit seiner Grätsche Ball und Ballführer – ein Prellball gesponsert von der Notfallaufnahme des Spitals Männedorf. Da applaudierte Edelfan Thierry Buchmann aus seinem Campingstuhl. Es war dies ein Beispiel für gesunde Härte. Generell wurden die Zweikämpfe gerade im zweiten Durchgang energischer geführt. Manchmal war dies aber auch etwas zu viel des Guten, was dazu führte, dass der Spielleiter doch das eine oder andere Mal auch den gelben Karton zückte.

Am Ende resultierte der erste Heimsieg der Männedörfler in dieser Spielzeit und mittlerweile bereits der zweite Sieg. Damit macht Männedorf weiter Boden gut und findet sich aktuell im breiten Mittelfeld dieser 2.Liga-Gruppe rangiert.

FC Männedorf – FC Witikon 2:0 (0:0)
Widenbad. 200 Zuschauer.
Tore: 70. Di Bella 1:0, 85. Di Bella (Signer) 2:0.